Tücken der Technik

In dem Haus in dem ich arbeite hat eigentlich jeder Bewohner Hifi Geräte (Fernseher, DVD Player, Videorekorder, Stereoanlage und so weiter). Nicht jeder Bewohner kann diese komplett selbstständig bedienen.

Wenn dann was nicht mehr so funktioniert wie vorgesehen sind natürlich wir Mitarbeiter gefragt um alles wieder zum Laufen zu bringen.

Leider ist auch scheinbar so manche Kollegin hoffnungslos überfordert mit der Bedienung 🙂

In solchen Fällen werden dann seltsamerweise die Bewohner immer zu mir geschickt. (zumindest kommt es mir so vor)

Kein Bild? Kein Ton? Fred kommt schon!

So auch an diesem Tag:

Bewohner U. kommt in die Gruppe:„Du Fred mein Videorekorder funktioniert nicht mehr. Ich kann die Kasette nicht mehr rausbekommen. Und deine Kollegin G. bekommt die auch nicht raus.“

Also bin ich mit ihm runter um mir den „Schaden“ mal anzusehen.

Bewohner U. tief traurig weil er seinen Film nicht sehen kann. Kollegin G. verzweifelt weil die Kasette nicht raus will trotz viertelstündigem rumprokeln mit Schere und Co.

Erste optische Diagnose: Der Videorekorder hatte keinen Strom da nicht ein einziges Lämpchen leuchtete und auch das Display schwarz blieb.

Zweite Diagnose ergab folgendes Ergebnis: Der Stromstecker befand sich nicht in der Steckdose.

Angeplante „Reparaturmaßnahme“: Stecker in die Steckdose stecken.

Nachdem ich den Stecker wieder in die Steckdose gesteckt hatte gab der Rekorder die Kasette wie vorgesehen wieder aus.

Dauer der ganzen Angelegenheit: Ca. eine Minute

Bewohner: Glücklich weil er seinen Film sehen kann.

Kollegin: Beeindruckt von meinen Fähigkeiten.

Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu meinen nahezu mystischen Fähigkeiten in Bezug auf technische Geräte.

JAAAA ich bin ein Superheld!!! 😉

Aber um mal an meinem eigenen Mythos zu rütteln: Das ist ja wohl nicht war oder? Ein VHS Videorekorder ist nicht wirklich HiTech. Wenn die Kollegin jünger gewesen wäre, würde ich davon ausgehen das sie so ein Ding noch nie gesehen hat weil es vollkommen veraltet ist genau wie ein Langspielplattenspieler.

Und zu merken das der Stecker nicht in der Steckdose ist, ist auch nicht so schwer. Besonders wenn der Bewohner dafür bekannt ist das er beim Zimmerputzen immer alle Stecker rauszieht.

Ich frage mich woher diese Scheu vor technischen Geräten kommt oder die Weigerung sich mit solchen zu befassen? Was machen die denn Zuhause? Einem Rundfunktechniker Geld in den Rachen werfen für etwas was man echt gut selber machen könnte?

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Schneeflöckchen Weißröckchen

Was machen wenn es schneit und kein Bewohner Lust hat vor die Tür zu gehen.

Schön wenn man dann so beisammen sitzt und sich darüber freuen kann das es Ende Februar fast wie kurz vor Weihnachten ist.

Nur ohne Weihnachtsmarkt und Glühweinbude. 😦                                                                   „Schade wenn man wenigstens rauskönnte um irgendwo nen Glühwein zu trinken das wäre was“. Ist der O Ton der Bewohnerschaft.

Na gut das noch 2 Flaschen übrig waren. 🙂

Schnell warmgemacht; alle raus auf den Balkon mit ner Tasse Glühwein in der Hand und dann Schneeflöckchen Weißröckchen gesungen.

Ich bin mir ziemlich sicher das die anderen Gruppen und Kollegen der Meinung sind das wir sie nicht mehr alle ganz beieinander haben aber Hauptsache es hatten alle Spaß dabei.

Lebenserfahrung

Bewohner L. wollte in die Sadt zum Friseur.

Da er den Friseur, den er empfohlen bekommen hatte nicht kannte sollte unser Praktikant R. ihn begleiten.

Der Friseur befindet sich am Zentralen Busbahnhof eigendlich muss man nur die Hauptstraße immer grade aus und dann kommt man da hin. Sind aber einige Kilometer.

Die beiden diskutierten ob sie den Bus nehmen oder wie Bewohner L. es wollte lieber zu Fuß gehen sollen.

Praktikant zu L.: „Du weißt schon das das ne ganz schöne Stecke ist?“                          Bewohner L. „Da gibts ne Abkürzung.“                                                                       Praktikant R. :„Da gehts nur gradeaus! Da kann man nichts abkürzen.“                    Bewohner L.: „Du bist noch jung an Jahren. Ich zeig dir das mal“

Dem konnte ich beim besten Willen nichts mehr hinzufügen…                                        Weil ich vor lauter lachen fast in den Tisch gebissen hätte 🙂

Wer ist denn nun am Telefon

Bewohner M. der in einer anderen Gruppe wohnt kommt in die Gruppe.

Er geht zu Bewohnerin N.:“Drüben ist wer am Telefon für dich, dein Vater.“

Bewohnerin N. geht rüber, etwas irritiert da sie keinen Kontakt zu ihrem Vater hat und diesen auch nicht wünscht.

Ich frage M.„Bist du sicher das es ihr Vater ist?“

M.: „Hm ne ich glaub das war mein Neffe.“

Ich: „Was sollte denn dein Neffe von N. wollen?“

„Tja keine Ahnung“ kommentiert M. meine Frage und zuckt mit den Schultern.

Als N. wieder rüberkommt erfahre ich das es weder ihr Vater noch M.s Neffe waren. Es war ihr Freund.

Ist das nicht toll wenn man weiß wer anruft 🙂

Wenn ich bedenke wie oft mir Bewohner das Telefon geben mit den Worten „hier für dich“ und nicht wissen wer dran ist geschweige denn wen die Person am anderen Ende der Leitung wirklich sprechen möchte.

Kein Wunder

Bewohnerin C. war morgens beim Arzt und nicht in der Werkstatt da sie Schmerzen im Knie hatte beim Laufen. Der hat sie auch gleich für ein paar Tage Krank geschrieben, Schmerzmittel verordnet und ihr nahe gelegt das Knie nicht zu belasten.

Allerdings war C. danach noch mehrere Stunden in der Stadt zum „bummeln“. Als sie nachmittags wieder ins Haus kam klagte sie dann darüber das die Schmerzen im Knie schlimmer sind als am Morgen.

Komisch oder 🙂

Auch ein Heilerziehungspfeger braucht mal Hilfe

Aus dem Bereich Anekdoten der Vergangenheit

Mittagspause während der 10 h Schicht am Wochenende.

Kollege S., seines Zeichens ewiger Junggeselle, kommt runter in die Gruppe in der ich arbeite.

„Du Fred hast du mal grad nen Bügeleisen?“ will er wissen.

„Klar, hier bitte.“ sage ich und reiche im das Bügeleisen. „Was willst DU denn damit?“

„Ich muss eben noch schnell mein Hemd bügeln, ich muss direkt nach Feierabend noch weg“ antwortet er.

Kollege S. und Bügeln??? Das kann ich mir nur schwer vorstellen. Ich beschließe mir das Spektakel aus der Nähe anzusehen und folge ihm hoch in die andere Gruppe.

Ich setz mich auf die Couch. Dort haben sich ein paar Bewohner versammelt  die sich das „Schauspiel“ wohl auch nicht entgehen lassen wollen.

Kollege S. stellt das Bügelbrett auf, schließt das Bügeleisen an und breitet sein Hemd aus.

Bislang sieht das alles sehr gekonnt aus und wird von den Bewohnern und mir wohlwollend kommentiert.

Sollte ich mich dermaßen in den hauswirtschaftlichen Fähigkeiten meines Kollegen getäuscht haben?

Neee hab ich nicht 🙂 !

Das Bügeln des Hemdes ist um es mit heutiger Sprache auszudrüchen episch… ein epischer fail. Das Hemd sieht nach 15 Minuten schlimmer aus als vorher.

Begleitet wird das Ganze natürlich von einer Menge hämischer Sprüche von Seiten der Bewohner (ich hab mich allerdings auch nicht zurückhalten können).

Erlöst hat ihn dann Bewohnerin U. die aufstand und meinem Kollegen mit den Worten: „Komm S. ich mach das mal eben schnell für dich.“ Das Bügeleisen aus der Hand nahm.

Und siehe da 5 Minuten später hatte S. ein perfekt gebügeltes Hemd.

Zumindest weiß ich jetzt von wem ich mir vor der nächsten Angehörigenfeier noch fix das Hemd bügeln lassen kann. 🙂

Und das gabs im Frühdienst

Beim Frühstück erzählte mir Bewohner M. ziemlich frustriert, das er vom HNO-Arzt gestern erfahren hat, das er schlecht hört und ein Hörgerät braucht.

„Pffff… Dafür hättest du nicht zu HNO gemusst. Ich weiß seit Jahren das du nicht hören kannst. Daran ändert auch ein Hörgerät nichts! Bei dir ist einfach was das angeht Hopfen und Malz verloren.“ entgegne ich mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht.

„Haha! Das sagt mir ja genau der richtige! Grade du solltest hier nicht so rumtönen!“ meint M.

„HÄ! WAS HAST DU GESAGT!“ brülle ich zurück und halte mir dabei die Hand hinters Ohr.

„Weißt du was Fred? Du bist echt doof!“ antwortet M. und lacht während er sein Frühstück isst.

So schnell ist sie manchmal weg die schlechte Laune 🙂

Spontan Nachtbereitschaft

Das worauf man sich im sozialen Bereich verlassen kann ist das man sich nicht auf seine freien Tage verlassen kann.

Wenn ein Kollege krank wird muss natürlich jemand einspringen. Diesmal war ich dran. Mit Nachtbereitschaft.

Die Nachtbereitschaft bei uns im Wohnheim ist eigentlich ein toller Dienst. Spät Abends anfangen 1-2 Stunden Arbeiten, 7 Stunden Schlafen (wenn man Glück hat) und dann für 3-4 Stunden den Frühdienst.

Falls dann in der Nacht ein Bewohner Hilfe benötigt kann er sich entweder per Lichtnotrufanlage vom Bett oder Bad aus melden oder einfach zum Dienstzimmer kommen.

Es war so gegen 23 Uhr, ich lag so halb weggedöst vorm TV im Dienstzimmer, als ich der Meinung war ein klopfen erahnen zu können.

Schnell in die Schlappen und den Schlüssel gegriffen und ab zur Tür.

Ich war grad an der Tür als es wieder kaum vernehmbar klopfte.

Ich öffnete die Tür und draußen standen die Bewohnerinnen I. und B. und sahen aus als wäre es total ihnen unangenehm mich zu stören.

„Mensch ihr müsst schon ordentlich an die Tür wumpern das hört man ja gar nicht wenn der Fernseher läuft oder man schläft“ sagte ich als ich die Damen da so schüchtern stehen sah.

„Ne, wir wollten dich ja nicht wecken“ bekam ich von den Beiden als Antwort.

„Aber das bischen Fingerspitzengetippe kann doch kein Mensch hören! Außerdem ist doch der Nachdienst dafür da euch zu helfen wenn was ist. Kann ich aber nicht wenn ihr mich nicht weckt. Also mit mehr Schmackes sonst steht ihr ja morgen früh noch hier. Was gibts denn?“ frag ich und sehe wie das „schlechte Gewissen“ mich geweckt zu haben schwindet.

„Die Schleuder ist noch an. Kannste die mal eben ausmachen“ sagt B.

„Sonst fängt das noch an zu brennen“ sagt I.

Schleuder? Brennen? Ausmachen? Ich habe einen Moment länger gebraucht bis ich verstanden habe worüber wir reden.

– Ich hab dann den Trockner, der noch auf Standby Funktion war, ausgeschaltet. Das hätten die zwei auch eigendlich allein gekonnt.

Na ja wenigstens wars nichts schlimmes.

Besser als lebensbedrohliche Situationen mitten in der Nacht und dann allein auf weiter Flur zu sein.

Auch ne Art Fahrdienst

Aus dem Bereich vergangene Anekdoten

 

D. ein Bewohner des Hauses geht in seiner Freizeit gern in die Stadt und nimmt dort an diversen „Festen“ teil.

Stadtfeste, Kirmes, public viewing und und und. Alles was ihm halt so Spaß macht.

Er geht meist zu Fuß oder auch mal mit dem Bus in die Innenstadt und kommt, da er die Uhr nicht lesen kann,  wenn die Veranstalltung vorbei ist oder es dunkel wird wieder.

Das macht er schon seit vielen Jahren so.

An dem Tag wollte er zur Kirmes. Nach dem Mittagessen ging er los.

Normalerweise kommt er erst nach dem Abendessen wieder nach Hause.

Nach dem er mir erzählte das er dann dort was essen wollte und ich nichts zurückstellen muss hab ich ihn noch Geld ausgezahlt

und ihn dran erinnert auch seinen Ausweis und Wertmarke (damit kann er umsonst Busfahren und auch den den ein oder anderen vergünstigten Eintritt bekommen) mitzunehmen.

Gut 2 Stunden später als die anderen Bewohner grad Kaffee und Kuchen zu sich nahmen kam kam D. schon wieder.

Er war ziemlich aufgelöst, völlig irritiert und den Tränen nah.

„Mensch D. du schon wieder hier? Ist was Passiert?“ wollte ich von ihm wissen.

„Die haben mich zurückgebracht.“ bekam ich von D. zur Antwort

„Wer Die?“ wollte ich von ihm Wissen, „Die Schausteller? Haben die jetzt nen Fahrdienst oder was?

„Nein. die Polizei!“ bekam ich zur Antwort

„Was wieso denn die Polizei? Ist dir was passiert?“ fragte ich jetzt besorgt nach.

„Nö ist nicht ich weiß auch nicht warum“ und das war auch alles was ich aus D. herauskriegen konnte.

Die Praktikanntin brachte dann die Aufklärung. Sie hatte D. im Erdgeschoß von den Freunden und Spaßverderbern Helfern in Empfang genommen.

D. war den Sanis vor Ort „aufgefallen“ er wirkte orientierungslos/hilflos.

Und die riefen dann die Polizei.

Dazu muss man sagen das D. zwar auf den ersten Blick „behindert“ aussieht und so wirkt als wäre er verloren aber wenn man sich ein bischen Zeit nimmt kann man merken das er schon orientiert ist.

Und es hätte die Möglichkeit bestanden mal telefonisch nachzufragen.

Na ja besser einmal zu viel geholfen als einmal zu wenig.

Für D. wars nur schade weil er an dem Tag natürlich keine Lust mehr hatte was zu unternehmen.

Und das Schlimmste war das die Polizei nicht mal die Sirene oder das Blaulicht angemacht hat als sie ihn zurückgebracht haben.

Na vielleicht beim nächsten Mal ….